Shopify vs. Adobe Commerce: Der Preis der Freiheit im E-Commerce

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Shopify vs. Adobe Commerce
Bestimmt kennst du „Rage Against the Machine“. In 35 Jahren Bandgeschichte haben die Jungs aus Los Angeles nie verraten, welche Maschine sie denn so wütend macht. Aber wir sind uns sicher: Es ist ein Drucker. Wenn du selbst schon einmal versucht hast, einen Drucker einzurichten und womöglich in ein WLAN-Netz zu integrieren, weißt du, was wir meinen.

Dass Tintenstrahler und Co. überhaupt etwas Sinnvolles ausspucken, ist vor allem zwei Männern zu verdanken: John Warnock und Charles Geschke, den Gründern von Adobe. Anfang der 80er entwickelten die zwei nämlich das sogenannte PostScript, eine Beschreibungssprache, die einem Drucker erklärt, wie eine Schriftart auszusehen hat und wo ein Bild überhaupt hinkommt.

45 Jahre weiter und Adobe ist ein multinationaler Konzern, der seine Finger in so ziemlich jedem Software-Topf hat, den du dir vorstellen kannst: Programme für Bild- und Videobearbeitung, für die Datenanalyse, fürs Marketing – und seit dem Kauf von Magento und dessen Umbenennung in Adobe Commerce natürlich auch für den E-Commerce.

Und damit haben wir es tatsächlich geschafft, über eine alternative Metal Band beim Thema dieses Beitrags anzukommen: Wir vergleichen Shopify und Adobe Commerce. Wo liegen die Stärken und Schwächen der beiden Systeme? Wieso prädestinieren sie selbige für völlig unterschiedliche Unternehmen? Und was hat das alles mit Softwarearchitektur zu tun? Am besten, wir starten direkt mit der letzten Frage:

Architekturmodelle: Best of Breed vs. Best of Suite

Die beiden Plattformen verfolgen nämlich zwei sehr unterschiedliche Philosophien im E-Commerce:

Shopify folgt dem Best-of-Breed-Ansatz. Das bedeutet, im Kern ist die Software vor allem eine Ladenfront. Sie bringt alles mit, um direkt mit dem Verkaufen zu starten, aber viele weitere Funktionen – etwa die Warenwirtschaft oder das Finanzwesen – sind nur rudimentär vorhanden.

Denn Shopify sagt: „Wir sind die Profis für ansprechende Stores mit starker Conversion, WaWi und Finance können andere besser und deswegen suchst du dir aus den spezialisierten Systemen das aus, was am besten zu deinem Business passt und bindest es an den Shop an.“

So entsteht ein Mosaik aus Expertensystemen, das über APIs oder eine Middleware miteinander kommuniziert und für jeden einzelnen Unternehmensbereich die beste Lösung bietet.

Adobe Commerce dagegen gehört in die Kategorie Best of Suite – allerdings nicht ganz so eindeutig wie SAP Commerce, Salesforce oder Microsoft Dynamics. Dennoch: Hier bekommst du eine Plattform, die viele unterschiedliche Bereiche deines Unternehmens aus einer Hand steuert.



Allerdings gehen die Unterschiede noch ein wenig weiter:

Technikfrage: SaaS vs. Managed Application Platform

Weiterhin ist Shopify ein Software-as-a-Service-System. Das bedeutet: Wenn du einen Vertrag mit Shopify abschließt, schließt dieser immer auch das Hosting, die Installation von Updates sowie die Skalierung der Infrastruktur mit ein. Du übernimmst keine technische Verantwortung – it just works.

Bei Adobe dagegen musst du dich um viele Dinge selbst kümmern. Zwar stellt dir der Konzern auf Wunsch die Infrastruktur in seiner eigenen Cloud-Umgebung sowie alle notwendigen Deployment-Tools zur Verfügung, aber danach bist du auf dich allein gestellt. Die technische Schuld liegt bei dir, Skalierung ist zwar möglich, erfordert allerdings viel Know-how.

Aus den unterschiedlichen Architekturmodellen sowie aus dem technischen Ansatz ergeben sich alle nun folgenden Vor- und Nachteile der beiden Systeme. Schauen wir uns Pro und Contra einmal genau an:

#1: Time-to-Market

Märkte drehen sich immer schneller, was heute in ist, ist in zwei Wochen schon wieder out, neue Trends entstehen in rasendem Rhythmus. Die Time-to-Market (TTM) ist für einen Store daher oft eines der wichtigsten Kriterien – nicht nur für die Zeit von der Idee bis zum Shop-Launch, sondern auch für Kampagnen, die Erschließung internationaler Märkte oder die Anbindung neuer Verkaufskanäle.

Shopify ist dabei extrem schnell: Dank der reduzierten technischen Anforderungen im SaaS-Modell sind die Release-Zyklen kurz, Kampagnen lassen sich innerhalb kleiner Zeitfenster realisieren, der neue Verkaufskanal ist oft nur ein paar Klicks im App Store weit entfernt.

Adobe Commerce dagegen tritt häufig auf die Bremse: Setup und Integrationen sind komplexer, innerhalb der Plattform gibt es Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Komponenten, die berücksichtigt werden müssen, neue Ideen erfordern oft Custom Development.

Wenn Geschwindigkeit zählt, ist Shopify dank seiner SaaS-Struktur also der eindeutige Gewinner. Allerdings ist die nicht immer so ein eindeutiger Vorteil …

#2 Flexibilität & Customization

Denn wenn es um Flexibilität und individuelle Anpassbarkeit geht, zeigen sich die grundlegend unterschiedlichen Philosophien der beiden Systeme besonders deutlich.

Shopify ist bewusst opinionated aufgebaut. Das heißt, viele Entscheidungen im System sind bereits für dich getroffen worden, unter anderem die Struktur des Checkouts, das Datenmodell oder grundlegende Commerce-Logiken. Diese Standardisierung ist allerdings nicht beliebig, sondern ein zentrales Designprinzip: Sie sorgt für Stabilität, bessere Wartbarkeit und die bereits angesprochene hohe Entwicklungsgeschwindigkeit.

Gleichzeitig ergeben sich so aber auch klare Grenzen: Sehr spezifische Business-Logiken, tiefgreifende Änderungen am Checkout oder stark abweichende Datenmodelle lassen sich nur eingeschränkt oder über Umwege abbilden.

Adobe Commerce verfolgt den entgegengesetzten Ansatz, denn als Managed Application Platform ist das System deutlich offener und flexibler aufgebaut. Unternehmen können nahezu jeden Bereich des Commerce-Stacks anpassen; von komplexen Pricing-Regeln über individuelle Katalogstrukturen hin zu mehrstufigen Freigabe- und Orderprozessen.

Diese Freiheit ist einer der größten Vorteile der Plattform, bringt aber immer auch mehr Komplexität mit sich. Jede individuelle Anpassung erhöht den Implementierungsaufwand, erfordert technisches Wissen und kann langfristig Wartung und Weiterentwicklung verlangsamen.

Unterm Strich gilt also: Shopify optimiert für Klarheit und Geschwindigkeit innerhalb definierter Leitplanken, während Adobe Commerce maximale Gestaltungsfreiheit bietet – allerdings oft zum Preis einer höheren Systemkomplexität.

#3: Total Cost of Ownership (TCO)

Neben Geschwindigkeit und Flexibilität spielt bei der Wahl einer Commerce-Plattform ein weiterer Faktor eine zentrale Rolle: die Gesamtkosten über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Also die Total Cost of Ownership (TCO). Dazu gehört nicht nur Offensichtliches wie Lizenz- oder Abo-Kosten, sondern auch sämtliche Aufwände für Betrieb, Weiterentwicklung, Infrastruktur und Wartung.

Shopify setzt hier auf ein sehr klar kalkulierbares Modell, denn dank des SaaS-Ansatzes sind die Kosten für Hosting, Security, Skalierung und Updates bereits in den Abo-Gebühren enthalten. Für dich bedeutet das: planbare monatliche Ausgaben und deutlich weniger benötigte Ressourcen für den technischen Betrieb.

Zusätzliche Kosten entstehen vor allem durch Apps, Themes oder Transaktionsgebühren, bleiben in der Regel aber gut nachvollziehbar. So ist der finanzielle Aufwand vergleichsweise stabil und vor allem früh im Projekt abschätzbar.

Adobe Commerce folgt dagegen einem deutlich komplexeren Kostenmodell. Neben möglichen Lizenzkosten entstehen hier vor allem hohe Initialaufwände für Implementierung, Integrationen und individuelle Anpassungen. Hinzu kommen laufende Kosten für Hosting, DevOps, Wartung und Weiterentwicklung, die je nach Setup stark variieren können.

Da viele Lösungen außerdem individuell entwickelt werden müssen, hängen die langfristigen Kosten sehr stark von der Komplexität der jeweiligen Systemlandschaft ab. Das führt häufig zu weniger Planbarkeit und potenziell höheren Gesamtkosten über die Zeit.

Das bedeutet also: Shopify reduziert die TCO durch Standardisierung und integrierte Services, während Adobe Commerce dir zwar maximale Freiheit bietet, diese allerdings durch ein Kostenmodell erkauft werden muss, das stark vom individuellen Betrieb geprägt ist.


#4: B2B-Commerce

Der B2B-Commerce ist ein Bereich, in dem die Unterschiede zwischen den beiden Plattformen für lange Zeit besonders deutlich wurden. Allerdings ist damit inzwischen Schluss, denn das Kräfteverhältnis hat sich in den vergangenen Jahren massiv verschoben:

Shopify hat im B2B-Bereich kräftig aufgeholt und eignet sich heute vor allem für schlankere B2B-Setups. Besonders stark ist die Plattform bei hybriden Geschäftsmodellen, die B2B und B2C miteinander kombinieren, bei Self-Service-Portalen für Geschäftskunden sowie bei der schnellen internationalen Skalierung. Denn anstatt jeden Business-Prozess eins zu eins abzubilden, setzt Shopify eher darauf, B2B-Anforderungen zu vereinfachen und in standardisierte Strukturen zu überführen.

Adobe Commerce bleibt dagegen vor allem dann im Vorteil, wenn es darum geht, komplexe B2B-Strukturen abzubilden. Dazu gehören etwa mehrstufige Freigabeprozesse, stark differenzierte Preis- und Kundengruppenmodelle, umfangreiche Rollen- und Rechtekonzepte oder extrem individualisierte Einkaufsprozesse. Gerade in gewachsenen Enterprise-Organisationen überzeugt die Plattform hier mit Flexibilität und Tiefe.

Insgesamt gilt daher: Shopify fokussiert sich auf die Vereinfachung und Skalierbarkeit moderner B2B-Prozesse, während Adobe Commerce vor allem dort punktet, wo bestehende Komplexität eins zu eins digital abgebildet werden muss.

#5: Skalierung & Performance

Ein letzter zentraler Aspekt im Enterprise-Commerce ist die Frage, wie gut eine Plattform mit Wachstum, Lastspitzen und internationaler Expansion umgehen kann – sowohl unter technischen als auch organisatorischen Gesichtspunkten.

Shopify setzt hier, wie bereits erwähnt, auf ein vollständig gemanagtes Infrastrukturmodell: Skalierung und Performance werden zentral von der Plattform übernommen, sodass Händler:innen sich nicht um Server, Lastverteilung oder globale Infrastruktur kümmern müssen.

Automatische Skalierung, hohe Stabilität bei Traffic-Peaks und eine weltweit verteilte Infrastruktur sorgen dabei dafür, dass auch stark schwankende Lasten zuverlässig abgefangen werden. So sinkt das operative Risiko erheblich.

Adobe Commerce bietet zwar ebenfalls die Möglichkeit, sehr große und leistungsfähige Commerce-Setups zu betreiben, stellt diese Skalierung jedoch stärker in die Verantwortung der Betreibenden. Je nach Hosting-Architektur und Setup müssen Performance, Skalierung und Stabilität nämlich aktiv geplant, konfiguriert und kontinuierlich optimiert werden.

Dieses Vorgehen ermöglicht natürlich eine sehr exakte Kontrolle über die Systemarchitektur, erfordert aber gleichzeitig auch deutlich mehr technisches Know-how und operative Steuerung.

Erneut gilt: Shopify reduziert die Komplexität, während Adobe Commerce maximale Flexibilität bietet, allerdings verbunden mit einem entsprechend höheren Aufwand in Betrieb und Performance-Management.

Shopify vs. Adobe Commerce: Unser Fazit

Die Gegenüberstellung von Shopify und Adobe Commerce erweist sich also weniger als klassisches Feature-Duell, sondern vielmehr als eine fast schon philosophische Frage:

Denn mit seinem standardisierten SaaS-Modell setzt Shopify auf ein Konzept, das Komplexität reduziert und gleichzeitig hohe Geschwindigkeit, einfache Skalierung und gut planbare Kosten ermöglicht. Adobe Commerce dagegen bietet deutlich mehr Freiheit und Tiefe, um sehr individuelle Geschäftsprozesse und komplexe Unternehmensstrukturen abzubilden, allerdings immer verbunden mit hohem Zeit- und Geldaufwand in Betrieb und Weiterentwicklung.

Die Entscheidung hängt daher weniger von einzelnen Funktionen ab als davon, wie viel Komplexität dein Unternehmen tatsächlich benötigt und dauerhaft tragen kann. Während Shopify besonders für schnelle, wachstumsorientierte Setups überzeugt, bleibt Adobe Commerce überall dort relevant, wo hochspezialisierte Anforderungen keine Standardlösung zulassen.


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Aber weil zu viel Fortschritt auch keinen Spaß macht, beenden wir diesen Beitrag dort, wo wir ihn angefangen haben: bei „Rage Against the Machine“. Es ist höchste Zeit, mal wieder die alten Songs zu hören. Oder was meinst du?

FAQ: Shopify vs. Adobe Commerce

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