Wofür du das Tablet nicht nutzt, ist die Arbeit. E-Mails beantworten, der Präsentation den letzten Schliff geben, die ausführliche Recherche im Web – wer auch nur ein bisschen Home Office betreibt, will eine Tastatur, eine Maus und wenigstens zwei Monitore.
Dabei sollte der Hase eigentlich ganz anders laufen: Als Tablets auf den Markt kamen, hieß es nämlich, dass sie PCs und Laptops bald vollständig ersetzen würden. Wer will noch so ein sperriges Gerät rumstehen haben, wenn er den kleinen Computer bequem in die Handtasche stecken kann? Das hat nicht ganz geklappt.
Wir halten also fest: Zwar sind Tablets eine extrem erfolgreiche Technologie, allerdings wurden sie nicht zu den Allheilsbringern, zu denen das Marketing sie ihrerzeit hochstilisiert hat. Es braucht schon den richtigen Einsatzzweck, um wirklich Nutzen aus einem Tablet zu ziehen.
Damit sollten wir dich eingestimmt haben, auf das, was nun kommt. Denn beim Headless Commerce sieht die Sache ganz ähnlich aus: eine Technologie, die immer noch als Wunderwaffe für den E-Commerce vermarktet wird, die sich in der Praxis aber nicht für jedes Unternehmen eignet.
Das glaubst du nicht? Dann solltest du unbedingt weiterlesen, denn in diesem Beitrag stellen wir den Headless Commerce der Shopify Storefront gegenüber. Wir beleuchten Vor- und Nachteile der Systeme, erklären, für welches Business-Modell sich welche Variante eignet, und haben mit Porsche eBikes sogar einen Case für dich, in dem ein großes Unternehmen Headless den Rücken gekehrt hat, um zu einer klassischen Architektur zurückzukehren.
Aber vielleicht sollten wir zunächst eine wichtige Sache klären:
Diese Themen findest du im Folgenden:
- Headless Commerce: Was ist das überhaupt?
- Welche Vorteile hat Headless Commerce?
- Welche Nachteile hat Headless Commerce?
- Wie funktioniert die Shopify Storefront?
- Welche Vorteile hat die Shopify Storefront?
- Welche Nachteile hat die Shopify Storefront?
- Zwischenfrage: Heißt das, Shopify kann gar kein Headless?
- Headless Commerce vs. Shopify Storefront in der Übersicht
- Fazit: Für welches Unternehmen eignet sich Headless?
- Von Headless zur Shopify Storefront: Der Porsche eBikes-Case
- Der logische nächste Schritt
- FAQ: Headless Commerce vs. Shopify Storefront
Headless Commerce: Was ist das überhaupt?
Räumen wir direkt ein großes Missverständnis aus dem Weg: Headless ist kein Feature, das du mit einem Klick ein- und ausschalten kannst. Vielmehr beschreibt Headless Commerce eine grundlegende Architekturentscheidung im Aufbau deines Webstores: Frontend und Backend sind vollständig voneinander getrennt.Dabei ist das Frontend der Teil deines Stores, den deine Kundschaft zu sehen bekommt. Hier liegen die Kategorie- und Produktdetailseiten mit ihren Layouts. Dazu kommen sämtliche Funktionen, die unmittelbar mit einem Einkauf zu tun haben; also etwa die Suche, der Login in Kundenkonten oder der Checkout.
Das Backend dagegen kümmert sich um den administrativen Teil deines Business. Hier liegen sämtliche Produktdaten, Lagerbestände, Bestellinformationen, Rabatte, Steuern, Berechtigungen … Kurzum: alle Daten und Funktionen, die nicht unmittelbar mit dem individuellen Einkaufserlebnis zu tun haben.
Die Kommunikation zwischen Frontend und Backend wird dabei über eine API oder eine Middleware gesteuert. Sie schickt Daten an die richtige Stelle im System und bereitet sie gegebenenfalls so auf, dass sie an ihrem Zielort auch korrekt verarbeitet werden können.
Stell dir ein Restaurant vor, in dem Küche und Speisebereich strikt voneinander getrennt und nur durch eine Durchreiche miteinander verbunden sind. Die Küche ist das Backend, der Speisebereich ist das Frontend und die Durchreiche ist die API.
Die Küche bekommt aus dem Speisebereich eine Bestellung und bereitet sie zu. Danach stellt sie den Teller in die Durchreiche. Wie es von dort aus weitergeht, ist dem Küchenpersonal egal. Kellner, Roboter oder Essen am Fließband – alles ist möglich
Umgekehrt muss sich die Crew im Speisebereich keine Gedanken um das machen, was die Küchenmannschaft denkt. Sie kann die Tische verrücken, Kerzen aufstellen oder eine Band ins Restaurant stellen, ohne dass es Auswirkungen auf die Arbeit der Köche hätte.
Welche Vorteile hat Headless Commerce?
Das ist dir zu viel Restaurant, zu wenig konkret, und Hunger hast du jetzt auch noch? Dann zählen wir die Vorteile des Headless Commerce einfach mal auf:Maximale Gestaltungsfreiheit
Wie gesagt: Das Frontend arbeitet komplett unabhängig vom dahinterliegenden System. Du kannst deinen Shop also nach Lust und Laune umgestalten, ohne dir Gedanken um die Auswirkungen auf das Backend machen zu müssen. Neues Design, Cross- und Upselling-Features, der KI-Assistent für den Einkauf – alles geht.Unabhängige Weiterentwicklung am Backend
Was für das Frontend gilt, gilt natürlich auch für das Backend: Hier kannst du schrauben, ohne dass es sich auf dein Schaufenster im Web auswirkt. Sagen wir, du willst deine Produktinformationen schon jetzt auf den Digitalen Produktpass (kommt ab 2027) vorbereiten. Dann kannst du sämtliche Produktdaten mit den benötigten Infos anreichern, ohne dass das Frontend sich daran stört.Omnichannel wird einfacher
Um doch noch einmal das Küchenbeispiel zu bemühen: Wenn das Essen in der Durchreiche steht, kann es mit ihm beliebig weitergehen. Es könnte im Restaurant serviert werden, auf dem Foodtruck seinen Platz finden oder vom Lieferdienst abgeholt werden. Soll heißen: Headless kann den Omnichannel-Handel stark vereinfachen, denn die zentral gelagerten Produktinformationen lassen sich flexibel auf jedem beliebigen Kanal ausspielen.Bessere Performance möglich
Zuletzt kann ein Headless-Shop auch bessere Ladezeiten bieten als ein klassischer Store. Ohne uns in technischen Details zu verrennen: Headless lässt sich auf der Frontend-Seite oft einfach stärker optimieren, zum Beispiel, indem sich die Front erst Informationen aus dem Backend holt, wenn sie ins Blickfeld der Betrachtenden scrollen (Lazy Loading). Aber vielleicht sind dir inzwischen die ganzen „Kanns" in den Vorteilen aufgefallen …Welche Nachteile hat Headless Commerce?
Headless ist kein Wundermittel, das immer und überall herausragende Ergebnisse abliefert. Als architektonisches Modell kommt es vor allem darauf an, wie gut die Technologie implementiert wird. Daraus ergeben sich diese Nachteile:Komplexere Architektur
Sämtliche Vorteile von Headless kommen nur dann zum Tragen, wenn Frontend, Backend und Middleware perfekt aufeinander abgestimmt sind. Dabei können bereits Kleinigkeiten mittelschwere Probleme nach sich ziehen. Will dein Frontend etwa eine Information abrufen, die im Backend gar nicht vorliegt, entsteht schon der erste Fehler.Bestenfalls wird die fehlende Info einfach nicht angezeigt. Ein wenig tragischer ist es bereits, wenn auf all deinen PDPs plötzlich so etwas steht wie „Gewicht: %DataNotFound%“. Im schlimmsten Fall gibt es irgendwo bei der Datenübertragung schweren Schluckauf und die PDPs zeigen mit einem Mal das Gewicht an, wo eigentlich der Preis stehen sollte.
Mehr Know-how erforderlich
Dementsprechend ist Headless kein Modell, das von einem Team ohne IT-Expertise gemanagt werden sollte. Denn so schön es auch ist, wenn das Marketing einen neuen Block à la „Wird gerne zusammen gekauft“ auf den PDPs platzieren kann, ohne dass das Backend dabei Feuer fängt und niemand in der Lage ist, alle benötigten Bilder und Texte aus der Produktdatenbank zu ziehen, passiert in dem neuen Bereich gar nichts.Hohe Entwicklungs- und Wartungskosten
Ergo musst du jemanden bezahlen, der die nötige Expertise mitbringt – also entweder fähige Mitarbeitende im eigenen Team haben oder eine Agentur anheuern, die dich betreut. Die Entwicklungs- und Betriebskosten für einen Headless Store werden so schnell acht- bis zehnmal höher als für einen herkömmlichen Shop.Viele Standardfunktionen müssen im Frontend umgesetzt werden
Zuletzt noch als Hinweis, weil es so gerne unter den Tisch gekehrt wird: Verkaufen kannst du nur mit einem Backend gar nichts. Das heißt also, dass du bei Wahl und Gestaltung deines Frontends zwar die maximale Freiheit genießt, gleichzeitig aber auch immer sicherstellen musst, dass Funktionen wie die Suche oder der Checkout auch wirklich funktionieren. Kaufst du dein Frontend nicht als Standardlösung, sondern lässt es womöglich auf der grünen Wiese entwickeln, wird aus deiner Ladenfront also schnell ein teures Mammutprojekt.Wie funktioniert die Shopify Storefront?
Wenn Headless Commerce bedeutet, dass du Frontend und Backend voneinander trennst, verfolgt Shopify mit seiner klassischen Storefront einen anderen Ansatz: Hier bleiben beide Bereiche eng miteinander verbunden.Das klingt zunächst weniger flexibel – und das ist es in gewisser Weise auch. Aber genau darin liegt die große Stärke: Shopify übernimmt in weiten Teilen die technische Abstimmung für dich. Statt einzelne Systeme aufwendig miteinander zu verknüpfen, bekommst du eine fertige E-Commerce-Infrastruktur, die bereits optimal aufeinander abgestimmt ist. Das bedeutet im Klartext:
- Shopify kümmert sich um dein Backend: Produkte, Lagerbestände, Bestellungen, Zahlungen und alle wichtigen Handelsprozesse.
- Das Theme und die Shopify-eigene Programmiersprache Liquid bilden dein Frontend. Also all das, was deine Kundschaft sieht und mit dem sie interagiert.
Heißt das jetzt, dass dir alle Freiheit genommen wird? Natürlich nicht. Um ein letztes Mal unser Restaurant heranzuziehen (versprochen!):
Diesmal hast du keine zwei strikt voneinander getrennten Bereiche und eine Durchreiche, sondern einen großen Gastraum mit zentraler Küchenlandschaft. Hinter dem Herd steht ein freiberuflicher Koch, der sich um die gesamte Küchenlogistik kümmert (das ist Shopify). Du selbst darfst im Rest des Restaurants schalten und walten, wie du möchtest. Du kannst umdekorieren, die Tische verschieben, neue Gerichte auf die Speisekarte setzen und deinem Koch sogar einen neuen Grill installieren.
Oder ganz ohne Metapher: Shopify nimmt dir zwar einen Teil der technischen Freiheit, allerdings auch einen großen Teil der technischen Verantwortung.
Welche Vorteile hat die Shopify Storefront?
In der Praxis bringt das für dich und dein Team unter anderem diese Benefits:Schneller Start ohne komplexe Architektur
Der größte Vorteil liegt auf der Hand: Du musst die Shop-Architektur nicht selbst zusammenbauen. Statt dich um die Verbindung zweier völlig unterschiedlicher Systeme zu kümmern und wochenlang die Schnittstelle zu pflegen, kannst du dich darauf konzentrieren, deinen Shop auszubauen und weiterzuentwickeln.Weniger Entwicklungsaufwand
Zwar ist mit Headless designtechnisch so gut wie alles möglich, allerdings erfordern viele Ideen Programmierkenntnisse. Ein Shopify-Theme dagegen lässt sich so einfach verändern wie ein Haus aus Legosteinen. Ein neues Banner? Eine andere Produktdarstellung? Ein zusätzlicher Inhaltsbereich? All das ist möglich; wenn es aufwendiger wird, dann eben mithilfe einer App. Dabei bist du zwar nicht ganz so frei wie mit Headless (ein Legostein bleibt ein Legostein), musst aber auch nicht für jeden neuen Button bei der IT anrufen.Geringere Kosten und weniger Wartungsaufwand
Weniger IT und mehr Eigenregie bedeuten natürlich immer auch geringere Kosten. Du brauchst kein eigenes Team, das permanent die Verbindung zwischen Frontend, Backend und verschiedenen Schnittstellen überwacht, denn Shopify kümmert sich im Hintergrund um viele technische Grundlagen. Dafür nehmen die Kanadier zwar auch Geld, aber deutlich weniger als diese unverschämten Headless-Nerds.Bewährte E-Commerce-Funktionen direkt verfügbar
Zuletzt besteht ein Shopify Store natürlich nicht nur aus einem schönen Schaufenster. Alle zentralen E-Commerce-Funktionen sind bereits mit an Bord und müssen nicht eigenhändig entwickelt und anschließend durch dich gewartet werden. Denke dabei zum Beispiel an:- Warenkorb
- Checkout
- Produktsuche
- Kundenkonten
- Rabatte
- Zahlungsprozesse
Welche Nachteile hat die Shopify Storefront?
Natürlich hat der Shopify-Ansatz auch Grenzen. Sonst gäbe es ja kein Headless. Um die Nachteile einmal aufzuzählen:Weniger Freiheit als bei Headless
Wenn du ein vollständig individuelles Einkaufserlebnis entwickeln möchtest – beispielsweise eine komplexe AR-Anwendung, eine eigene Shopping-Plattform mit komplett frei konfigurierbaren Industriemaschinen oder die Benutzerführung per Mausgesten – stößt du irgendwann an die Grenzen des Theme-Systems. Headless gibt Entwicklern hier deutlich mehr Freiheiten.Abhängigkeit von Shopify
Du bewegst dich innerhalb des Shopify-Ökosystems. Das ist für viele Unternehmen zwar ein Vorteil, weil alles aus einer Hand kommt. Gleichzeitig bedeutet es aber auch: Du bist stärker an die Möglichkeiten und Vorgaben der Plattform gebunden.Bestimmte Funktionen, Erweiterungen oder Anpassungen müssen innerhalb der Shopify-Logik umgesetzt werden. Wenn dein Unternehmen sehr spezielle Prozesse abbilden möchte, kann das bedeuten, dass hier individuelle Lösungen entwickelt oder Kompromisse eingegangen werden müssen.
Weniger sinnvoll bei sehr komplexen Enterprise-Strukturen
Eine reduzierte Komplexität klingt zunächst attraktiv. Bei sehr großen Unternehmen kann diese Vereinfachung aber irgendwann zum limitierenden Faktor werden.Beispiele wären:
- mehrere internationale Shops mit völlig unterschiedlichen Anforderungen
- sehr komplexe Produktkonfiguratoren
- individuelle Preislogiken für verschiedene Kundengruppen
- umfangreiche Systemlandschaften mit ERP, PIM und zahlreichen Verkaufskanälen
Mehr Komplexität mit wachsendem Business
Mit dem Wachstum eines Stores kann zuletzt die hohe Flexibilität des Shopify-Systems zu einer Herausforderung werden. Aus einer Handvoll Apps werden schnell Dutzende Erweiterungen, dazu kommen individuelle Anpassungen am Theme und immer mehr Sonderlösungen für spezielle Anforderungen. So kann mit der Zeit eine verwachsene Systemlandschaft entstehen, die schwerer zu warten und weiterzuentwickeln ist.Bei sehr großen oder komplexen E-Commerce-Projekten setzen Unternehmen deshalb häufig stärker auf modular aufgebaute Architekturen wie eben Headless Commerce. Dort werden einzelne Komponenten von Beginn an getrennt geplant und können unabhängiger voneinander weiterentwickelt werden. Das verringert das Risiko einer komplett verbauten Softwarestruktur. Mit dem klassischen Shopify führt an einem Relaunch manchmal kein Weg vorbei. In einer gut gebauten Headless-Architektur muss dagegen eventuell nur ein einzelnes Modul ausgetauscht werden.
Zwischenfrage: Heißt das, Shopify kann gar kein Headless?
Um einem letzten Missverständnis vorzubeugen: Shopify kann auch headless betrieben werden. Denn es kommt nicht darauf an, ob du Shopify nutzt, sondern welche Rolle die Plattform übernimmt:Bei der klassischen Shopify Storefront arbeiten Backend und Frontend, wie bereits erwähnt, eng zusammen: Shopify verwaltet die Commerce-Funktionen, die Skriptsprache Liquid sorgt dafür, dass daraus ein sichtbarer Shop entsteht.
Bei einer Headless-Architektur arbeitet Shopify dagegen als reine Commerce-Engine im Hintergrund. Das Frontend wird unabhängig davon entwickelt und greift über APIs auf das Shopify-Backend zu. Also: Hinten Shopify, vorne eine Ladenfront deiner Wahl.
Headless Commerce vs. Shopify Storefront in der Übersicht
Fazit: Für welches Unternehmen eignet sich Headless?
Haben wir es eingangs nicht bereits angekündigt? Headless Commerce ist tatsächlich nicht der ultimative Ersatz für klassische Shopsysteme, sondern eine Architektur für bestimmte Anforderungen. Die große Entscheidungsfrage lautet dabei immer: "Brauchen wir die zusätzliche Freiheit und Komplexität tatsächlich?"Headless eignet sich besonders für Unternehmen, die:
- zahlreiche Verkaufskanäle bedienen und alle digitalen Touchpoints über eine zentrale Datenbasis steuern möchten
- ein vollständig individuelles Frontend benötigen, um zum Beispiel sehr individuelle Einkaufserlebnisse zu schaffen
- eine komplexe Systemlandschaft mit ERP, PIM und weiteren Plattformen betreiben
- eigene Entwicklungsteams oder erfahrene Technologiepartner haben
- langfristig in eine flexible, modulare Commerce-Architektur investieren möchten
Für viele kleine und mittelständische Unternehmen ist diese zusätzliche Freiheit allerdings nicht unbedingt ein Vorteil. Möchtest du vor allem einen leistungsfähigen Onlineshop betreiben, Produkte verkaufen und deinem Marketingteam möglichst viel Eigenständigkeit ermöglichen, profitierst du häufig stärker von einer Shopify mit Liquid. Allerdings gilt das nicht nur für KMU…
Von Headless zur Shopify Storefront: Der Porsche eBikes-Case
Auch multinationale Konzerne können feststellen, dass Headless für sie nicht immer die richtige Wahl ist. So geschehen bei Porsche e-Bikes. Wir geben dir den Überblick über den Fall:Wer ist Porsche eBikes?
Porsche eBikes gehört tatsächlich zum Porsche-Konzern mit den schicken Autos. Nur, dass dort eben keine Sportwagen und SUVs verkauft werden, sondern Fahrräder mit Elektromotor.Wie gestaltete sich die Ausgangslage?
Porsche eBikes besaß einen Webstore, der auf einer Headless-Architektur aufgebaut war: Als Backend arbeitete Shopify Commerce, das Frontend war eine Custom-Entwicklung. Der Store bediente sowohl den D2C-Vertrieb als auch den B2B-Verkauf über einen dedizierten Login für den Großhandel.Der Hauptgrund für die Entscheidung pro Headless war, dass Shopify zum Zeitpunkt des Shopaufbaus noch nicht alle Anforderungen erfüllen konnte, die Porsche an seinen Onlineshop stellte: ein Login per Kundennummer, die Produktsuche via SKU und ein Produktkonfigurator – unter anderem.
Aber wie du wahrscheinlich weißt: Shopify investiert jedes Jahr zweistellige Millionenbeträge in R&D, entwickelt sein Shopsystem laufend weiter und hat vor allem im Bereich B2B in den vergangenen zwei Jahren massiv nachgebessert und aufgeholt.
Warum fiel die Entscheidung für einen Wechsel von Headless Commerce zur Shopify Storefront?
Die Komplexität im Headless-Setup war zu hoch. Selbst kleine Anpassungen am Frontend zogen regelmäßig mehrere Tage Arbeit sowie teure Unterstützung durch die betreuende Architektur nach sich. Jede Änderung musste durch:
- Architektur-Review
- API-Tests
- Regressionstests
- Deployment-Prozess
Weiterhin war der Wechsel auch eine finanzielle Entscheidung: Ständiger Support durch eine Agentur wird schnell teuer; weitgehende Autonomie dagegen kostet nichts extra. Insgesamt wäre ein Verbleib im Headless achtmal so teuer gewesen wie der Wechsel in die Shopify Storefront.
Wie lief die Umsetzung?
Für den Aufbau des neuen Stores entschieden wir uns für ein iteratives Vorgehen in kooperativer Arbeitsteilung: Team Eshop Guide zeichnete sich für die technische Seite des Projektes verantwortlich. Parallel dazu wurde das Design von einer Münchner Design-Agentur übernommen.Dabei ein großer Shoutout Richtung Bayern: Die Zusammenarbeit lief hervorragend. Jeder einzelne Step wurde perfekt mit uns abgestimmt. Schritt für Schritt ist so ein Shop entstanden, der sowohl alle technischen Anforderungen des Porsche-Konzerns erfüllt als auch den hohen ästhetischen Ansprüchen der Zuffenhausener mehr als gerecht wird.
Wie sieht das Ergebnis aus?
Ja … Hier liegt der Hase im Pfeffer. Leider gibt es zu diesem Projekt keine Case Study mit belastbaren Zahlen, weil es im Zuge einer strategischen Neuausrichtung innerhalb des Konzerns eingestellt wurde. Porsche hat die Entscheidung damals auch öffentlich kommuniziert (hier ist die Pressemitteilung dazu).Für uns bleibt trotzdem eine spannende Erkenntnis: Selbst ein internationaler Konzern mit komplexen Systemlandschaften, zahlreichen Vertriebskanälen und hohen technischen Anforderungen kam nach einer umfassenden Evaluierung zu dem Schluss, dass Headless Commerce in diesem Fall nicht die beste Lösung war.
Der logische nächste Schritt
Ergo: Auch du solltest deine Systemarchitektur einmal überprüfen und dir dabei die Frage stellen: „Haben wir den richtigen Mix aus Freiheit und Komplexität, oder liegt da was im Argen?“Wenn du dann feststellst, dass das mit dem Headless vielleicht doch keine so gute Idee war, melde dich gerne bei uns, denn ein Relaunch Richtung Shopify Storefront ist für unser Team gar kein Problem.
Solltest du dagegen zufrieden mit deinem Setup sein, aber ganz andere Schwachstellen in deinem Store vermuten, helfen wir dir dabei, Optimierungspotenziale datenbasiert zu validieren. Wie wir dabei vorgehen, verraten wir dir natürlich ebenfalls gerne.
Zuletzt bleibt natürlich immer noch die Möglichkeit, dass wir einfach mal gucken. Sprich: Du buchst einen Termin für eine Erstberatung und/oder eine CX-Analyse bei uns. Ganz ohne weitere Verpflichtungen oder Abozwang. Wir sind ja nicht Amazon Prime.
Aber apropos gruselig: Schade eigentlich, dass wir diesen Beitrag im Juli veröffentlichen und nicht im Oktober. Denn so ein Einstieg ins Thema über den Headless Horseman aus Sleepy Hollow hätte auch was gehabt. Allerdings nicht bei Sonnenschein bis 22 Uhr und 30 Grad im Schatten …
FAQ: Headless Commerce vs. Shopify Storefront
Was ist Headless Commerce?
-
Headless Commerce bezeichnet eine Shop-Architektur, bei der Frontend und Backend vollständig voneinander getrennt sind. Während das Backend Produkte, Bestellungen und sämtliche Geschäftsprozesse verwaltet, wird das Frontend unabhängig davon entwickelt und über APIs mit den benötigten Daten versorgt.
Ist Headless besser als eine klassische Shop-Architektur?
-
Nein, Headless ist nicht grundsätzlich besser, sondern für andere Anforderungen gedacht. Unternehmen mit komplexen Systemlandschaften, individuellen Frontends oder zahlreichen Verkaufskanälen profitieren häufig von der zusätzlichen Flexibilität. Für viele mittelständische Händler:innen bietet eine klassische Shop-Architektur wie die Shopify Storefront dagegen das bessere Gesamtpaket: Sie ist schneller implementiert, einfacher zu warten und verursacht deutlich geringere Entwicklungs- und Betriebskosten. Welche Lösung die richtige ist, hängt daher immer von den Anforderungen des Unternehmens ab.
Kann Shopify auch als Headless-Commerce-Plattform genutzt werden?
-
Ja. Shopify unterstützt sowohl den klassischen Storefront-Ansatz als auch Headless Commerce. In einem Headless-Setup übernimmt Shopify das Commerce-Backend, während das Frontend unabhängig entwickelt wird und per API mit Shopify kommuniziert. Unternehmen können so die Vorteile der Shopify-Plattform mit einer individuellen Frontend-Architektur kombinieren.
Ist ein Wechsel von Headless zu einer Shopify Storefront möglich?
-
Ja. Ein Wechsel ist grundsätzlich problemlos möglich und kann sich insbesondere dann lohnen, wenn Wartungsaufwand, Entwicklungskosten oder technische Komplexität zu hoch geworden sind. Viele Unternehmen stellen im Laufe der Zeit fest, dass sich ihre Anforderungen auch innerhalb des Shopify-Ökosystems abbilden lassen.
Kann ich ERP-, PIM- oder andere Drittsysteme auch ohne Headless an Shopify anbinden?
-
Ja. Die Anbindung externer Systeme ist kein Alleinstellungsmerkmal von Headless Commerce. Moderne ERP-, PIM-, CRM- oder WMS-Lösungen lassen sich in vielen Fällen direkt über APIs oder bestehende Schnittstellen mit Shopify verbinden. Headless wird meist erst dann interessant, wenn zusätzlich ein vollständig individuelles Frontend oder besonders komplexe Systemarchitekturen benötigt werden.

