Steuerpflicht auf Shopify: Umsatzsteuer im E-Commerce

Aktualisiert am
Person bedient Taschenrechner im Hintergrund Belege
Wie geht der Spruch noch? Der Krieg ist der Vater aller Dinge. Sogar der Steuern. Als es 1918 nÀmlich gar nicht mehr so gut um das kaiserliche Heer stand und MajestÀt dringend Geld benötigte, dachten seine Beamten sich die Umsatzsteuer aus. Der Steuersatz damals: stramme 0,5 Prozent.

Gute 100 Jahre spĂ€ter stehen wir in Deutschland bekanntlich bei 19 Prozent Umsatzsteuer. Andere LĂ€nder haben andere SĂ€tze, außerdem gibt es noch die ermĂ€ĂŸigte Umsatzsteuer und sowieso ist das Thema nicht nur lĂ€stig, sondern vermeintlich auch ziemlich kompliziert.

Deshalb haben wir uns mit Steuerfachfrau Natalie Barysch von der GP Steuerberatung zusammengesetzt, um dir diesen Guide zu prÀsentieren. Wir erklÀren dir, worauf du bei der Umsatzsteuer auf Shopify unbedingt achten musst und wie du deine Buchhaltung vom ersten Tag an auf ein sicheres Fundament stellst. Dabei werfen wir nicht nur einen Blick auf die Umsatzsteuer in Deutschland, sondern auch in der EU mit ihrem One-Stop-Shop-System und auf das weitere Ausland.
Natalie Barysch
Natalie Barysch, Steuerfachfrau, GP Steuerberatung

Los geht es allerdings mit einer ziemlich basalen Frage, nÀmlich:

Umsatzsteuer im E-Commerce: Wie funktioniert das eigentlich?

Allenthalben schallt die Stammtischparole durchs Netz: „In der Schule sollten weniger Texte analysiert und dafĂŒr sinnvolle Sachen unterrichtet werden! Zum Beispiel Steuern!“ Persönlich wĂ€ren wir ja eher fĂŒr Medienkompetenz (inklusive Textanalysen), aber sei’s drum. Weil Steuern ein Thema sind, mit dem sich fast niemand gerne beschĂ€ftigt, klĂ€ren wir kurz auf:

Die Umsatzsteuer ist eine Mehrwertsteuer mit sogenanntem Vorsteuerabzug. Sie fĂ€llt ĂŒberall dort an, wo durch die Weiterverarbeitung einer Ware oder die Inanspruchnahme einer Dienstleistung mehr Wert (= Mehrwert) geschaffen wird. Ein Blumentopf ist mehr wert als ein Block Ton. Die Töpferin schafft einen Mehrwert, und wer immer den Topf auch kauft, muss die Mehrwertsteuer zahlen.

Denn merke: Umsatzsteuer zahlen immer die Endverbrauchenden.

Damit gehört die Umsatzsteuer zu den angenehmsten Steuern. Denn als HÀndler:in auf Shopify nimmt der Staat dir kein Geld weg, er wÀlzt lediglich Arbeit auf dich ab. Die Zeche zahlt deine Kundschaft.

Verantwortlich fĂŒr dieses Nullsummenspiel ist der bereits erwĂ€hnte Vorsteuerabzug, denn zu dem bist du als HĂ€ndler:in berechtigt. In der Praxis sieht das Ganze so aus:

Die Umsatzsteuer im Zahlenbeispiel

Sagen wir, du verkaufst in deinem Store KĂŒchenbretter aus Echtholz. Um mit deinem Business loszulegen, brauchst du zunĂ€chst einen Baumstamm. Den kaufst du beim örtlichen SĂ€gewerk:
  • Nettopreis Baumstamm: 100 €

  • Umsatzsteuer (19 %): 19 €

  • Bruttopreis: 119 €

Das SĂ€gewerk hat einen Mehrwert erzeugt (ein Baumstamm ist in der Marktwirtschaft wertvoller als ein Baum), muss dir also Mehrwertsteuer berechnen. Du zahlst dem HolzfĂ€ller 119 €, von denen er 19 € an das Finanzamt abfĂŒhrt.

Momentan stehst du also bei –19 € Steuern, aber wir sind ja auch noch nicht am Ende der Nahrungskette angekommen. Du sĂ€gst aus dem Stamm nun ein FrĂŒhstĂŒcksbrett, das du fĂŒr 200 € verkaufst. Daraus ergibt sich Folgendes:
  • Nettopreis FrĂŒhstĂŒcksbrett: 200 €

  • Umsatzsteuer (19 %): 38 €

  • Bruttopreis: 238 €

Das gleiche Spiel: Du erzeugst einen Mehrwert (FrĂŒhstĂŒcksbrett > Baumstamm), der KĂ€ufer zahlt die Steuer. Allerdings drĂŒckst du nicht die gesamten 38 € an das Finanzamt ab, denn jetzt kommt der Vorsteuerabzug ins Spiel:

Damit du deine Arbeit ĂŒberhaupt ausfĂŒhren konntest, bist du bereits steuerpflichtig geworden. Behielte der Staat allerdings ALLE Steuern ein, wĂŒrde er mehrfach abkassieren. Deshalb rechnest du dem Finanzamt vor:
  • Vereinnahmte Umsatzsteuer: 38 €

  • Abziehbare Vorsteuer: 19 €

  • Zahllast: 38 € − 19 € = 19 €

Auch du fĂŒhrst also nur 19 € an das Finanzamt ab, genau wie das SĂ€gewerk. Macht insgesamt 38 € Steuern oder eben 19 Prozent von 200 €. Gezahlt hat diesen Betrag allerdings der Endverbraucher. An dir bleibt nur die Arbeit in der Buchhaltung hĂ€ngen. Deshalb sagt man auch: Die Umsatzsteuer ist ein durchlaufender Posten.


Umsatzsteuer auf Shopify: Das rÀt die Steuerexpertin

Klar, wie die Sache lÀuft? Wunderbar. Trotzdem darfst du eins nicht vergessen: Auch wenn dir durch die Umsatzsteuer im E-Commerce prinzipiell keine Kosten entstehen, darfst du sie nie auf die leichte Schulter nehmen.

Denn fĂŒr Vater Staat ist die Umsatzsteuer so ziemlich seine wichtigste Einnahmequelle. Deshalb ist er hinter dem Geld her wie der Teufel hinter der armen Seele. Unterlaufen dir bei der Steueranmeldung Fehler oder fĂŒhrst du die Schuld gar zu spĂ€t ab, gibt es umgehend Ärger mit dem Finanzamt.

Damit dir deine Buchhaltung nebst Umsatzsteuer keine Kopfschmerzen bereitet, prÀsentieren wir dir daher die wichtigsten Tipps und RatschlÀge vom Profi:

Shopify x Umsatzsteuer: Handlungsempfehlungen bei der Shop-GrĂŒndung

Noch bevor du den allerersten Umsatz verbuchst, rÀt unsere Expertin:

#1: Konfiguriere deine Erlöskonten

Ein GeschĂ€ftskonto ist gut, mehrere Unterkonten sind deutlich besser. Denn mit ihrer Hilfe bringst du Struktur in deine UmsatzsteuererklĂ€rung und schaffst dir mit separaten Erlös- und Kostenkonten einen Überblick in Echtzeit.

Wichtig sind zunĂ€chst Konten, die deine UmsĂ€tze nach ihrem Umsatzsteuersatz aufsplitten: Auf dem einen Konto laufen die ErtrĂ€ge ein, die mit 19 Prozent versteuert werden, auf dem anderen alle Einnahmen, fĂŒr die der ermĂ€ĂŸigte Satz von sieben Prozent fĂ€llig wird. Welche Umsatzsteuer fĂŒr welche Ware abgerufen wird, kannst du auf Shopify ĂŒbrigens individuell einstellen.

Peilst du weiterhin das Ausland als Ziel fĂŒr deine VerkĂ€ufe an, hat sich eine Trennung nach EU-Ausland und Drittland als maximal sinnvoll erwiesen. Wir kommen gleich noch detaillierter auf den grenzĂŒberschreitenden Handel zu sprechen, aber fĂŒr den Moment gilt: Auslandseinnahmen solltest du idealerweise auf separaten Unterkonten nach diesen Bereichen fĂŒhren, damit Umsatzsteuer und Buchhaltung ĂŒbersichtlich bleiben. Die AufschlĂŒsselung nach einzelnen LĂ€ndern erfolgt in der Regel nicht ĂŒber separate Buchhaltungskonten, sondern wird beim Shop-Dienstleister in den Statistiken ausgewiesen.

Zuletzt erlauben Unterkonten dir, GeschĂ€ftsdaten schnell und sauber zu analysieren. Denkbar sind etwa Konten fĂŒr die Einnahmen ĂŒber unterschiedliche Zahlungsdienstleister: Lohnt es sich fĂŒr dich ĂŒberhaupt, Klarna anzubieten? Aber auch eine Aufsplittung nach Warengruppen wĂ€re denkbar: Womit erzielst du den Großteil deiner Einnahmen, mit FachbĂŒchern oder mit Belletristik?
„Bei der Umsatzsteuer geht es weniger um Rechnen als um Ordnung und VollstĂ€ndigkeit. Saubere Belege, klare Konten und regelmĂ€ĂŸige Kontrolle sind wichtiger als komplizierte Steuertheorie.“

– Natalie Barysch, Steuerfachfrau, GP Steuerberatung

Grafische Darstellung Erlöse

#2: Beantrage eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer

Eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer wird verpflichtend, sobald du grenzĂŒberschreitende UmsĂ€tze in der EU einfĂ€hrst. Und weil du nie weißt, wann die erste Belgierin oder der erste NiederlĂ€nder bei dir vorbeischaut, hast du deine USt-IdNr. besser parat, noch bevor du deinen Store eröffnest.

Außerdem wirkt es einfach viel professioneller, wenn du auf sĂ€mtlichen Rechnungen eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer vermerken kannst. Viele GeschĂ€ftspartner sind irritiert, wenn die Angabe fehlt.

Beantragen kannst du sie kostenlos als Nebenantrag bei der Abgabe des steuerlichen Erfassungsbogen bei dem fĂŒr dich zustĂ€ndigen Finanzamt oder separat beim Bundeszentralamt. Vergiss anschließend nur nicht, deine Umsatzsteuer-ID auf Shopify einzutragen.

#3: Melde dich fĂŒr das One-Stop-Shop-Verfahren an

Zum One-Stop-Shop-Verfahren (OSS) erklĂ€ren wir dir gleich noch mehr. An dieser Stelle daher nur die folgenden Informationen: Das OSS dient der einfachen Umsatzsteuerabwicklung innerhalb der EU wird verpflichtend, sobald der Auslandsschwellenwert von 10.000€ durch B2C-UmsĂ€tze ĂŒberschritten wird.

Da die Anmeldung kostenlos ist und die 10.000 € oft schneller geknackt werden, als du es erwartest, solltest du das Thema frĂŒh auf dem Schirm haben. Anmelden kannst und musst du dich aber erst, wenn du den Schwellenwert tatsĂ€chlich ĂŒberschreitest. Bis dahin reicht es, deine UmsĂ€tze im Blick zu behalten und die nĂ€chsten Schritte vorzubereiten.

Wenn dein Angebot dann plötzlich zum Hit in Österreich wird, bist du vorbereitet und kannst Buchhaltung, die dich sonst ganze Tage kosten wĂŒrde, in ein paar Minuten erledigen.

#4: Konsultiere zur GrĂŒndung eine Steuerberatung

Damit wirklich alles in trockenen TĂŒchern ist, rĂ€t unsere Expertin außerdem dazu, wenigstens einmalig mit einer Steuerberaterin zu reden. Viele Kanzleien bieten Erstberatungen fĂŒr GrĂŒnder:innen an und haben Aspekte rund um dein Business auf dem Schirm, an die du nicht mal in deinen schlimmsten AlptrĂ€umen gedacht hĂ€ttest.

Diese einmalige Investition in professionelle Expertise macht sich langfristig oft mehr als bezahlt. Und noch dazu ist es eine GeschĂ€ftsausgabe. Du kannst die Kosten fĂŒr die Beratung also steuerlich geltend machen.


Umsatzsteuer im E-Commerce: Tipps fĂŒr das InlandsgeschĂ€ft

Deine Vorbereitungen sind abgeschlossen und du bist bereit fĂŒr die ersten VerkĂ€ufe? Sehr gut, dann schauen wir uns jetzt an, was du unbedingt fĂŒr Deals von Deutschland nach Deutschland beachten solltest:

#1 Eine ordnungsgemĂ€ĂŸe Rechnung

Der hĂ€ufigste Fallstrick fĂŒr E-Commerce-GrĂŒnder:innen ist die Rechnung. Oft fehlen Pflichtangaben und machen das Dokument damit prinzipiell ungĂŒltig. Auf eine amtlich korrekte Zahlungsaufforderung gehören immer:
  • VollstĂ€ndiger Name und Anschrift des leistenden Unternehmens

  • VollstĂ€ndiger Name und Anschrift des LeistungsempfĂ€ngers

  • Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer des leistenden Unternehmens

  • Ausstellungsdatum der Rechnung

  • Fortlaufende Rechnungsnummer

  • Menge und Art der gelieferten GegenstĂ€nde oder Art und Umfang der sonstigen Leistung

  • Zeitpunkt der Lieferung oder sonstigen Leistung

  • Entgelt (Nettobetrag), aufgeschlĂŒsselt nach SteuersĂ€tzen bzw. Steuerbefreiungen

  • Angewendeter Umsatzsteuersatz

  • Betrag der Umsatzsteuer, getrennt nach SteuersĂ€tzen

ZusÀtzliche Pflichtvermerke (falls zutreffend):
  • Hinweis auf Steuerbefreiung

  • Hinweis auf Reverse Charge

  • Hinweis auf Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG)

Vorlagen fĂŒr korrekt ausgestellte Rechnungen findest du auf den Webseiten vieler Industrie- und Handelskammern oder auch direkt bei den Finanzbehörden; stellvertretend fĂŒr die ganze Republik etwa beim Finanzamt NRW.


„Eine korrekte Rechnung ist bei der Umsatzsteuer kein Nice-to-have, sondern Pflicht. Fehlt etwas, gilt sie im Zweifel als nicht ordnungsgemĂ€ĂŸ – und das kann schnell teuer werden.“

– Natalie Barysch, Steuerfachfrau, GP Steuerberatung
Und solltest du jetzt sagen: „Wieso Rechnung? Bei mir wird doch per PayPal gezahlt“, dann haben wir noch den zweiten Hinweis fĂŒr dich:

#2 Transaktionen belegen und monatlich abgleichen

Ganz egal, ob deine Endkundschaft eine Rechnung von dir haben möchte oder nicht, bist du als Unternehmer:in trotzdem dazu verpflichtet, einen entsprechenden Beleg fĂŒr jede steuerpflichtige Leistung auszustellen.

Im Klartext: Wenn du etwas verkaufst, musst du eine Rechnung schreiben. Ob du sie auch unaufgefordert an deine Kund:innen verschickst, bleibt dir selbst ĂŒberlassen, allerdings raten wir dazu. Denn das ist professionell. Das Finanzamt dagegen will fĂŒr jede Transaktion einen Beleg sehen, denn Ordnung muss sein.

Je nach GeschĂ€ftsmodell kommst du Monat fĂŒr Monat also schnell auf ein paar Tausend Rechnungen – und solltest deine Konten daher an jedem Monatsende mit deinen Belegen abgleichen. Schiebst du diese Arbeit zu lange vor dir her, wird sie nicht weniger, sondern nur komplizierter.

Sowieso verpflichtet das Finanzamt GrĂŒnder:innen gerne dazu, ihre Umsatzsteuer in den ersten zwei Jahren monatlich zu erklĂ€ren. So will sich die Behörde nĂ€mlich einen Überblick darĂŒber verschaffen, ob dein Business fĂŒr eine Umsatzsteuervoranmeldung infrage kommt. Rechne also damit, dass die KĂŒr schnell zur Pflicht wird – und gewöhne dir den monatlichen Kontenabgleich auf jeden Fall an, um deine BĂŒcher sauber zu halten.

E-Commerce und Umsatzsteuer im EU-Ausland: One-Stop-Shop und Reverse Charge

Jetzt erstellst du also rechtskonforme Rechnungen und hast deine Umsatzsteuer in Deutschland sicher im Blick. Aber was ist, wenn Menschen aus dem Rest der EU bei dir einkaufen? Die gute Nachricht: FrĂŒher war alles komplizierter, aber inzwischen gibt es das One-Stop-Shop-Verfahren (OSS) sowie Reverse Charge. Wie die funktionieren? So:

OSS fĂŒr die Umsatzsteuer im B2C

Solange du mit VerkĂ€ufen an Endkund:innen ins EU-Ausland weniger als 10.000 € im Jahr umsetzt, passiert nichts Neues. Die Polin und der Italiener finden auf ihren Rechnungen die deutsche Umsatzsteuer und der deutsche Fiskus streicht das Geld ein.

Aber sobald du die 10.000-€-Schwelle knackst – und zwar unabhĂ€ngig davon, ob du diesen Betrag in einem Land oder aufsummiert in mehreren LĂ€ndern erzielst –, bist du dazu verpflichtet, die Umsatzsteuer an die jeweiligen VerkaufslĂ€nder abzufĂŒhren. Immer erhoben nach dem Umsatzsteuersatz, den das entsprechende Zielland veranschlagt.

Du könntest dich jetzt mit den Finanzbehörden in Frankreich, Spanien und Irland herumschlagen und in jedem Land eine eigene UmsatzsteuererklĂ€rung abgeben. Oder du meldest dich beim Bundeszentralamt fĂŒr Steuern fĂŒr das One-Stop-Shop-Verfahren an.

Denn mit OSS werden Umsatzsteuerabgaben innerhalb der EU vereinheitlicht und zentral gesteuert: quartalsweise ĂŒbermittelst du deine Einnahmen aus dem europĂ€ischen Ausland an das Bundeszentralamt fĂŒr Steuern, aufgeschlĂŒsselt nach Umsatz und LĂ€ndern. Diese sind jeweils einen Monat nach Quartalsende, spĂ€testens zum letzten Tag des Folgemonats, elektronisch ĂŒber das BzSt-Online-Portal (BOP) einzureichen. Den Rest ĂŒbernimmt die Behörde. Sie verteilt die Steuergelder an die ZiellĂ€nder und erspart dir so etliche Verwaltungskosten.

Übrigens: Besonders einfach wird OSS fĂŒr dich, wenn du, wie oben erwĂ€hnt, deine AuslandsumsĂ€tze sauber trennst, zum Beispiel nach EU-Ausland und Drittland. Die genaue AufschlĂŒsselung nach einzelnen LĂ€ndern bekommst du dann in der Regel ĂŒber die Statistiken deiner Shop-Plattform. Dort werden die Erlöse meist nach LĂ€nderkennzeichen ausgewiesen und du musst nicht mehr ausklamĂŒsern, welcher Verkauf nach Schweden und welcher nach Portugal ging.
„Sobald VerkĂ€ufe ins EU-Ausland gehen, wird es ohne Vorbereitung schnell kompliziert. Das One-Stop-Shop-Verfahren ist deshalb kein BĂŒrokratiemonster, sondern eine echte Arbeitserleichterung.“

– Natalie Barysch, Steuerfachfrau, GP Steuerberatung

Grafische Darstellung OSS

Reverse Charge fĂŒr B2B

OSS funktioniert nur fĂŒr B2C-VerkĂ€ufe. Allerdings gibt es mit Reverse Charge auch eine Regelung, die die UmsatzsteuererklĂ€rung im B2B-Sektor vereinfacht. Das Ganze lĂ€uft so:
  • Das verkaufende Unternehmen stellt eine Rechnung ohne Umsatzsteuer aus.

  • Das kaufende Unternehmen berechnet die Steuer selbst und meldet sie im Rahmen seiner Umsatzsteuer.

  • Wenn das kaufende Unternehmen zum Vorsteuerabzug berechtigt ist, kann es die Steuer im selben Schritt wieder als Vorsteuer abziehen.

Im Prinzip sagst du deinen GeschĂ€ftspartner:innen also: „Ihr seid in eurem Land eh schon bei der Finanzbehörde registriert, also kĂŒmmert ihr euch auch um die Steuern, die ihr zahlen mĂŒsst.“ Vergiss nur nicht, die Reverse Charge Regel vorher mit der Gegenseite abzusprechen und den entsprechenden Hinweis auf der Rechnung zu vermerken.

Ganz wichtig dabei: Reverse Charge funktioniert nur, wenn sowohl du als auch dein Partner eine Umsatzsteuer-ID besitzen!


Umsatzsteuer fĂŒr Shopify-VerkĂ€ufe im Rest der Welt

Cool, OSS und Reverse Charge machen die Umsatzsteuer innerhalb der EU also ziemlich einfach. Aber bekanntlich ist die Welt noch ein wenig grĂ¶ĂŸer – und leider werden die Dinge außerhalb Europas schnell kompliziert. Es gibt einfach zu viele nationale Regelungen, Handelsabkommen und Zollschranken, um sie hier alle einzeln aufzulisten. Aber zwei Tipps haben wir trotzdem fĂŒr dich:

#1 Achte auf korrekt ausgestellte Rechnungen

Das A und O fĂŒr GeschĂ€fte mit dem fernen Ausland sind immer Rechnungen, die allen nationalen Anforderungen entsprechen. Nur wenn die Zahlungsaufforderung korrekt ist, bewegst du dich juristisch auf sicherem Boden und kannst die Umsatzsteuer richtig ausweisen und gegebenenfalls abfĂŒhren.

Informiere dich daher, wie eine Rechnung im Zielland deiner Wahl auszusehen hat. Gute Anlaufstellen fĂŒr Mustervorlagen sind die IHK und Wirtschaftskammern, Auslandshandelskammern oder Handelsvertretungen und die offiziellen Steuerbehörden der anderen LĂ€nder.

#2 Nutze Shopify Markets

Nicht umsonst gilt Shopify als DAS Shopsystem fĂŒr die Internationalisierung. Verantwortlich dafĂŒr ist insbesondere Shopify Markets. Mithilfe dieses Tools kannst du deinen Store schnell und einfach an internationale MĂ€rkte anpassen: Sprache, WĂ€hrung, Preise, Content – und ab dem Advanced-Plan auch geschĂ€tzte Zölle und Einfuhrsteuern.

Klar, das ersetzt weiterhin nicht die Steuerberatung und UmsatzsteuererklĂ€rung, macht die Buchhaltung im internationalen GeschĂ€ft allerdings spĂŒrbar einfacher. Nicht umsonst sind global agierende Brands wie TITUS, Luisa Cerano oder GIESSWEIN schon seit Jahren auf Shopify unterwegs.

Der finale Tipp fĂŒr die Umsatzsteuer auf Shopify: Rechtzeitig automatisieren

Okay, wahrscheinlich hat dein Business noch nicht die GrĂ¶ĂŸe eines TITUS und Japan steht auch noch nicht auf der Liste deiner ZiellĂ€nder. Aber damit der Weg dorthin möglichst stolperfrei verlĂ€uft, haben wir einen allerletzten Tipp fĂŒr dich:

Lass die Finger von Notizblöcken und Excel-Sheets und setze von Anfang an auf professionelle Buchhaltungstools!

Denn Profisoftware kann dir unendlich viel Arbeit abnehmen. Sie verwaltet deine Zahlungsströme, sortiert deine Konten, erstellt automatisiert deine Rechnungen und funkt alle Belege selbststĂ€ndig an deine Steuerberatung weiter. Auch die fĂŒr die Umsatzsteuer und den OSS.

FĂŒr Deutschland und die EU empfehlen sich dabei vor allem zwei Systeme: Lexware Office und sevdesk. Beide sind Made in Germany, arbeiten rechtskonform im Sinne von DSGVO und GoBD, beherrschen auch elektronische Rechnungen, sind bereits fĂŒr kleines Geld zu haben und lassen sich mĂŒhelos an Shopify anbinden.
„Umsatzsteuer wird nicht einfacher, wenn man sie aufschiebt oder per Hand verwaltet. Automatisierte Prozesse helfen vor allem dabei, Fehler zu vermeiden und den Überblick zu behalten.“

- Natalie Barysch, Steuerfachfrau, GP Steuerberatung
Wie das im Detail aussieht, verraten wir dir gerne.

Alle Details zu Lexware Office x Shopify haben wir bereits fĂŒr dich zusammengetragen. Den Konnektor fĂŒr deinen Store findest du hier.

Steht dir der Sinn eher nach sevdesk x Shopify, dann haben wir ebenfalls vorgesorgt. Zum entsprechenden Konnektor geht es anschließend hier entlang.

Keine Angst vor der Umsatzsteuer im E-Commerce auf Shopify

Was nehmen wir also abschließend mit? Vor allem, dass die Umsatzsteuer gar nicht so kompliziert ist, wie sie auf den ersten Blick scheint. Wenn du dein Shop-Setup richtig durchziehst – inklusive separater Konten und Umsatzsteuer-ID –, hast du schon viel gewonnen. Innerhalb der EU halten OSS und Reverse Charge die SteuererklĂ€rung in einem ĂŒberschaubaren Rahmen – und im schlimmsten Fall gibt es immer noch die professionelle Steuerberatung.

Hast du ĂŒbrigens gewusst, dass die Umsatzsteuer bei ihrer EinfĂŒhrung 1968 gerade einmal zehn Prozent betrug? UngefĂ€hr alle 4,3 Jahre wurde sie um ein Prozent erhöht; zum letzten Mal 2007. Hoffentlich verrĂ€t das niemand dem Kanzler...

Shout-Out fĂŒr unsere Apps

Automatisiere Prozesse, optimiere Workflows und steigere deinen Umsatz – mit unseren Apps fĂŒr B2B, Versand, Preisvergleich und Buchhaltung. Effizient, einfach, leistungsstark!

Einfach mehr erfahren.